Otto Schwettge
Otto Schwettge
geb. 30.01.1901 in Enkheim, Waldstr. 4, jetzt Stargarder Str. 37
Einweisung in die Anstalt Marburg,
11.06.1941 verlegt in die Anstalt Herborn,
04.07.1941 verlegt in die Anstalt Hadamar,
ermordet am 04.07.1941 in der Landeskrankenanstalt Hadamar.
Informationen der Gedenkstätte Hadamar:
Otto Schwettge wurde zu einem unbekannten Datum in die Landesheilanstalt Marburg
aufgenommen. Von dort wurde er am 11.06.1941 in die Landesheilanstalt Herborn verlegt. Die
Anstalt Herborn war zu diesem Zeitpunkt eine sogenannte "Zwischenanstalt" für die
Tötungsanstalt Hadamar. Von Januar bis August 1941 war Hadamar eine von sechs
„Euthanasie“-Tötungsanstalten der „Aktion T4“. Das heißt, Patientinnen und Patienten aus
anderen Anstalten wurden in „Zwischenanstalten“ zunächst gesammelt, bald darauf nach Hadamar
verlegt und ermordet.
Von Herborn gelangte Otto Schwettge in einem Transport am 04.07.1941 nach Hadamar. Die
Patientinnen bzw. Patienten eines solchen Transports wurden in der Regel noch am Tag der Ankunft
in die im Keller der Anstalt befindliche Gaskammer geschickt und ermordet. Das Verlegungsdatum
nach Hadamar ist somit als Todesdatum von Otto Schwettge anzusehen. Die Leichname der
Ermordeten wurden anschließend noch vor Ort eingeäschert.
Aus Geheimhaltungsgründen und um Angehörige und Behörden zu täuschen, gab es auf dem
Gelände der Tötungsanstalt ein eigens eingerichtetes „Sonderstandesamt“. Dieses
„Sonderstandesamt“ verschob das Todesdatum offiziell um einige Tage oder sogar Wochen. In
vielen Fällen ist heute das offiziell beurkundete Todesdatum und die offizielle Todesursache nicht
bekannt, da die Angehörigen der Ermordeten diese Briefe erhielten. Kopien oder Durchschläge
davon sind in den Verwaltungsunterlagen der „Aktion T4“ nicht mehr überliefert. Wahrscheinlich
wurden sie bei Kriegsende vernichtet. Das offiziell beurkundete Todesdatum von Otto Schwettge ist
leider nicht bekannt.
Die Informationen basieren auf folgender Quelle: HHStAW, 461/32061, Bd. 17.
Der Sitz der Verwaltungszentrale dieses Mordprogrammes war in der Tiergartenstraße 4 in Berlin.
Deshalb ist die Ermordung von Menschen mit geistigen/körperlichen Behinderungen sowie
psychischen Erkrankungen durch Gas 1940/1941 heute als „Aktion T4“ bekannt.
Es ist davon auszugehen, dass zu jedem ermordeten Menschen der „Aktion T4“ zentral eine
Patientenakte archiviert wurde. Bis zum Kriegsende war jedoch ein Teil dieser Akten vernichtet und
der Rest wurde in der sowjetischen Besatzungszone verwahrt.
Die verbliebenen Akten wurden später durch das Ministerium der Staatssicherheit (Stasi) in der DDR
archiviert. In den 1990er Jahren sind diese Akten sozusagen „wiederentdeckt“ worden und in die
Bestände des Bundesarchivs Berlin überführt worden. Für die über 10.000 ermordeten
Patientinnen und Patienten der „Aktion T4“ in Hadamar befinden sich dort heute etwa 3.000 Akten.
Im Gegensatz zu 1941 wurden die Patientinnen und Patienten ab 1942 nicht mehr durch Gas,
sondern durch überdosierte Medikamente, gezielte Mangelernährung und unterlassene
medizinische Versorgung getötet. In Hadamar wurden Menschen getötet, die für die
Weiterführung des Krieges und innerhalb der NS-Ideologie zunehmend als „Ballast“ gebrandmarkt
waren. Nach der Aufnahme in Hadamar waren die Überlebenschancen verschwindend gering. Nur
in Ausnahmefällen überlebten die Menschen länger als ein paar Wochen oder Monate. Ein heute
bekanntes Auswahlkriterium für den Zeitpunkt der Ermordung war die noch vorhandene
Arbeitsfähigkeit der Menschen.
T4-Tötungsanstalt Hadamar(Gedenkstätte Hadamar)
Graue Busse holten die Patientinnen und Patienten aus den "Zwischenanstalten" (Andernach,
Eichberg, Galkhausen, Herborn, Idstein, Scheuern, Weilmünster, Weinsberg und Wiesloch) ab, in
denen sie zunächst für einige Wochen untergebracht waren. Nach der Ankunft in Hadamar mussten
die Patientinnen und Patienten in der verschlossenen Busgarage aussteigen und wurden in das
Hauptgebäude geführt. Dort hatten sie sich zu entkleiden und dem Arzt vorzustellen. Dieser
bestimmte anhand der mitgeschickten Patientenakte eine angeblich natürliche Todesursache für die
später auszustellende Sterbeurkunde. Anschließend wurden die Patientinnen und Patienten von
Schwestern und Pflegern in die im Keller gelegene Gaskammer geführt. Ihre Leichen beseitigten
die "Brenner" in den beiden Krematoriumsöfen. Die Angehörigen erhielten einen so genannten
"Trostbrief", der sie über das plötzliche Ableben informierte. Der angeblich krankheitsbedingte Tod
wurde als Erlösung dargestellt. Die auf Wunsch zugesandte Urne enthielt – entgegen der
Ankündigung - nicht die Asche der oder des Ermordeten.
Vom 13. Januar bis zum 24. August 1941 starben über 10.000 Opfer in der Hadamarer Gaskammer.
Quelle: https://gedenkort-t4.eu/historische-orte/t4-toetungsanstalt-hadamar-gedenkstaette-hadamar
Initiative Stolpersteine Bergen-Enkheim
Frankfurt am Main
Aktion-T4-Opfer
Busgarage, restauriert und etwas vom
ursprünglichen Standort verschoben
Fotos: 2026 Ewald Wirth
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Mahnmal der Grauen Busse
am Bahnhof Hadamar